Wendezeiten/Zeitenwende: Dissidenten als Zeitzeugen

Ein Projekt des philoSOPHIA e.V. [wendezeiten.philoPAGE.de]


Wendezeiten/Zeitenwende im Jahr 1989/90: Dissidenten als Zeitzeugen

Wolfram Tschiche, Jg. 1950; Theologe, Philosoph; Bausoldat zwischen 1970 - 1972; in der Folge der Niederschlagung des "Prager Frühlings" 1968 seit Ende der 60iger Jahre oppositionelle Tätigkeit: u.a. illegale Bildungsarbeit in den Bereichen von Politik und Philosophie; Beteiligung an zahlreichen staatskritischen Aktivitäten und Initiativen; 1989 Mitglied des "Neuen Forum" und Mitbegründer des "Vereins für politische Bildung und soziale Demokratie" in der noch bestehenden DDR; 1991 - 1993 Büroleiter der Heinrich- Böll- Stiftung in Leipzig; seit 1993 als Freiberufler in der politischen und philosophischen Jugend- und Erwachsenenbildung tätig; lebt in Klinke OT Badingen.

Beiträge der Dissidenten

1. Projektwoche


Alena Petruželková - Beitrag lesen »
Stephan Bickhardt - Beitrag lesen »

2. Projektwoche


Monika Elšíková - Beitrag lesen »
Dr. Edelbert Richter - Beitrag lesen »

3. Projektwoche


Stephan Bickhardt - Beitrag lesen »
Pavel Seifter - Beitrag lesen »

4. Projektwoche


Tina Krone - Beitrag lesen »
Jan Šícha - Beitrag lesen »

5. Projektwoche


Barbara Sengewald - Beitrag lesen »
Dr. Marie Jirásková - Beitrag lesen »

Das Projekt "Wendezeiten-Zeitenwende" wurde gefördert durch:




Wendezeiten/Zeitenwende - Beiträge der Zeitzeugen | philoSOPHIA e.V.


Wendezeiten/Zeitenwende im Jahr 1989/90: Aus der Diskussion mit Schülerinnen und Schülern



Im Rahmen des Zeitzeugenprojekts hat sich das Seminarteam, zusammengesetzt aus Zeitzeugen, einem Historiker und dem Projektleiter, einem Philosophen, vielfältiger Methoden bedient, um überwiegend Schüler und Schülerinnen nicht nur die Motive und Ziele der Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, sondern darüber hinaus den zeitgeschichtlichen Kontext des "realen Sozialismus" vor allem in der DDR und CSSR zu vermitteln.

Solche Methoden waren u. a.: PowerPoint - Präsentationen, Dokumentarfilme z.B. zu den Montagsdemonstrationen in der DDR und zum "Prager Frühling" 1968 in der CSSR, Textanalysen von oppositionellen Schlüsseltexten und Gruppenarbeit beispielsweise zur Zivilcourage sowie die Visualisierung wichtiger Informationen und Diskussionsergebnisse.

Viele intensive Nachfragen der Schüler und Schülerinnen bezogen sich auf das persönliche Schicksal der Zeitzeugen, wie z.B.:

  • Welche persönlichen Erfahrungen waren Anlass für oppositionelles Verhalten?
  • Woher nahmen Dissidenten den Mut, sich gegen die sozialistische Staatsmacht zu stellen?
  • Was geschah ihnen aufgrund ihrer Gegenwehr?
  • Standen die Freunde und Familien zu den Dissidenten?
  • Wie ging man mit der Angst um, eventuell verhaftet zu werden?
  • Welche psychologischen Auswirkungen hatten staatliche Repressalien für die Dissidenten?
  • Auf welche Weise ließ sich im sozialen Abseits leben?
  • Gab es für Frauen spezifische Umstände, sich in der Opposition zu engagieren und welchen spezifischen Beitrag leisteten sie?
  • Wie ging die Staatssicherheit in beiden Ländern- in der DDR und CSSR vor, und welche Folgen hatte dies für die Dissidenten?

Angeregt durch die Berichte und Analysen der Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wurden von den Schüler/innen vor allem in Bezug auf die DDR und CSSR u.a. folgende Schwerpunkte diskutiert:

  • die Entstehungsgeschichte, der Charakter und die Funktionsweise der sozialistischen Staaten vor allem in Bezug auf die DDR und CSSR;
  • die Funktionsweise und das Vorgehen der Staatssicherheit als ein Hauptinstrument der Machtausübung in den sozialistischen Staaten;
  • die historischen Hintergründe und Ziele des "Prager Frühlings" 1968 und die Gründe und Folgen der militärischen Intervention durch die "Bruderstaaten";
  • die Motive und Ziele der tschechoslowakischen und DDR- Opposition mit den Schwerpunkten Friedens- Bürgerrechtsbewegung für den DDR- Kontext und der "Charta 77" für den tschechoslowakischen Kontext;
  • die wichtigen Stationen der "Friedlichen Revolution" in der DDR und der "Samtenen Revolution" in der CSSR 1989 und die Folgen der ökonomischen, sozialen und politischen Transformation in beiden Ländern;
  • die unterschiedlichen Haltungen der DDR- Oppositionellen zur "Deutschen Einheit" und die Haltung der Chartisten zu dieser Frage;
  • die oppositionellen Aktivitäten und die Folgen für die Dissidenten;
  • das Problem der Zivilcourage und Zivilgesellschaft auch für die Gegenwart;
  • die besondere Rolle der oppositionellen Frauen;
auf welche Weise sich die Anliegen des Zeitzeugenprojekts in den Lebensbereich der Schüler und Schülerinnen hintragen lassen.

In vielen Gesprächsrunden haben die Schüler und Schülerinnen hervorgehoben, dass sie die Kombination aus Zeitzeugenschaft, politischer Systemanalyse und historischen Betrachtungen als besonders gelungen erachten. Es wurde von den Jugendlichen vielfach der Wille bekundet, sich weiterhin in ihrer Lebenswelt mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Wolfram Tschiche (Projektleiter)